Proliferierende Trichilemmalzyste

C. Hendricks


Anamnese und Befund

73jährige Patientin; seit drei Jahren rechts temporal Entwicklung eines zuletzt 3 x 3 x 3 cm messenden, halbkugelig erhabenen, derben, auf der Unterlage gut verschieblichen, rötlichen, teils weisslich-gelblich durchscheinenden, von Teleangiektasien überzogenen Tumors am Kapillitium. Der Tumor wurde durch die Abteilung fiir Plastische und Handchirurgie exzidiert, der Defekt mit Spalthaut gedeckt.




Histologie

Ohne Verbindung zur bedeckenden Epidermis findet sich ein dermaler, teils subkutan gelegener, gut abgrenzbarer, rundlich-ovaler, lobulär strukturierter Tumor. Der Tumor ist allseits von Epithel begrenzt, von diesem gehen unregelmässige Epithelproliferate aus. Es finden sich teils typische zystische Strukturen, teils eher kompakte Zellstränge. Das Epithel zeigt durchgehend die Charakteristika trichilemmaler Verhornung mit fehlendem Stratum granulosum und abruptem Übergang grosser eosinophiler Keratinozyten in kompaktes Hornmaterial. Innerhalb der kompakten Zellstränge finden sich zentral Hornperlen und Dyskeratosen. Wesentliche Zellatypien sind nicht nachweisbar.






Kommentar

Die proliferierende Trichilemmalzyste ist ein benigner, von der äusseren Haarwurzelscheide des Terminalhaarfollikels ausgehender Tumor. Er wird vor allem bei älteren Frauen beobachtet. Prädilektionsstellen sind das Kapillitium, seltener Gesicht und Rücken. Klinisch imponiert die proliferierende Trichilemmalzyste als meist solitärer, grosser, in Einzelfällen bis zu 20 cm messender, exophytischer, in Abhängigkeit vom Anteil zystischer Strukturen derber bis prallelastischer, subkutaner Tumor.



Histologische Charakteristika der proliferierenden Trichilemmalzyste sind: Glatte Begrenzung mit rundlich-ovaler Silhouette, lobuläre Binnenstruktur mit teils zystischen Anteilen und ein durchgehend trichilemmales Verhornungsmuster.

Die Prognose der proliferierenden Trichilemmalzyste ist gut, Lokalrezidive werden jedoch relativ häufig beobachtet.

In Einzelfällen wurden atypische Varianten (maligne proliferierende Trichilemmalzyste, proliferierende Trichilemmalzyste mit fokaler Transformation in ein spinozelluläres Karzinom) mit infiltrativem Wachstum und Metastasierung in regionale Lymphknoten beobachtet.


Literatur

Beim Verfasser


Anschrift des Verfassers:

Carlo Hendricks
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Umweltmedizin
St. Barbara-Hospital
Barbarastraße 67
D-47167 Duisburg